Mehr als die klassische Steuerberatung

Gast-Blog

Hier erwartet Sie unser neuer Blog.

 

Unser Gast-Autor Dr. André Gärisch thematisiert in seinem Blog in regelmäßigen Abständen alles Wichtige und Unwichtige des ganz alltäglichen Wahnsinns aus Sicht von Familie Taxing – die Themenpalette ist breit gefächert und hat stets eines Gemeinsam: alles, außer Steuern.

 

Tauchen Sie ein in die Welt ohne Steuern!  

Seite: 123

11.09.2020

Über den Wolken – muss die Panik grenzenlos sein

Im Gang die üblichen Gesten, akkurat und lächelnd wie ein Staatsballett-Ensemble vorgetragen; Je länger die Revue mit den Gurten und Sauerstoffmasken dauert, desto mehr schlottern mir die Knie. Die FAZ habe ich aus dem Schoß gelegt, meine Unterarme verdecken die Beine. Meine Frau würde sonst fragen, warum die Zeitung so knistert, ob ich für kleine Düsenjäger müsse. Nein, es ist meine Flugangst, die ich zu verbergen versuche. Der Kapitän lässt seltsam lange Pausen zwischen den verrauschten Sätzen. Sein Deutsch klingt wie Holländisch, sein Englisch wie Schwedisch. Hat er sich ein polnisch gestrecktes russisches Getränk gegönnt? Was ich deutlich verstehe: „Sie brauchen nicht nervös zu sein, ich bin es auch nicht – und fliege die Route zum ersten Mal.“

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02.09.2020

Klappe und Action! Einmal Influencer sein – und wieder zurück

Ich sitze in meinem Dachbodenbüro und will eigentlich die Windows-Oberfläche – Dateien von „Schnitzeldiät“ bis „Lohnabrechnung“ – aufräumen. Stattdessen klicke ich mich durch Youtube. Und öffne ein Video, das mich unweigerlich in seinen Bann zieht. In einer ausverkauften Halle hastet ein hysterisch lachender Anzugträger über die Bühne; er klatscht rhythmisch in die Hände. Auf seinem Kopf thront ein Zylinder mit dem aufblinkenden Schriftzug „Power“. Der Business-Tarzan fängt an zu tanzen – kenne ich aus dem Rhodos-Urlaub, müsste ein Sirtaki sein. Er breitet die Arme aus und brüllt ins Publikum: „Ich lebe heiter, fröhlich und leicht.“ Seine Jünger stimmen im Chor mit ein. Zum Abschied spritzt er die Reihen mit einer Super Soaker nass. Sie danken es ihm mit einer Laola-Welle.

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27.07.2020

Ringo goes Südtirol – als mein Auto alleine in den Urlaub fuhr

Genüsslich wie eine Katze, die sich an einem Tischbein reibt, schiebt er sich durch die Reinigungsbürsten. Frisches Citrus-Shampoo benetzt jeden Millimeter seines blechernen Körperkleides. „Wie sehr habe ich dieses prickelnde Gefühl vermisst“, schmachtet Ringo, der im Gegensatz zu mir nur alle paar Wochen in den Genuss einer erquicklichen Wäsche kommt. Dass er nun ohne offizielle Erlaubnis unter die Schleuder geschlüpft ist, hat einen besonderen Grund: Er plant einen Trip nach Südtirol.

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06.07.2020

Umziehen gleich zweimal – Als ein Tisch die Bermudas zum Überlaufen brachte

Also schwappte ihm die schwarze Brühe in die Bermudashorts, die wie immer zu locker an seiner Hüfte saßen. Wir waren gerade dabei, den frisch lackierten Tisch in die Wohnung zu tragen, als ein Guss auf uns niederschoss. Die Farbe war noch nicht getrocknet. „Scheiß Klimawandel“, fluchte mein Schwiegersohn. Flüssige Abläufe hatten wir uns ja gewünscht. Aber nicht so. Ich muss zugeben: Ein bisschen war ich für den Kollateralschaden selbst verantwortlich. Ich hatte den Tisch unauffällig in seine Richtung gekippt. Wobei. Eigentlich war es mein Unterbewusstsein. Es wollte verhindern, dass mir ein passioniert arbeitsloser Metalband-Bassist mit dem Charme einer gepressten Knoblauchzehe Nachkommen unterjubelt.

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03.06.2020

Croissant sei Dank – Wie eine Biene den Weltuntergang besiegelt

Ein simples Nougatcroissant. Mehr wollte ich nicht besorgen. Doch ich unterschätzte das Gemisch aus umtriebigen Menschenleibern auf dem unschuldigen Asphalt des Marktplatzes. Jetzt stehe ich hier. Gnadenlos eingepfercht. Irgendwo im Nirgendwo, zwischen glühenden Augenpaaren, Mündern, aus denen Speicheltropfen des Zorns schießen und Schildern, auf denen flache Erden prangen. Geistesgegenwärtig zupfe ich meine Gesichtsmaske aus der Hinterntasche meiner Jeans. Trotz Mundschutz fühle ich mich nackt, denn unter den aufgebrachten Marktplatz-Brüdern bin ich der einzige mit diesem Accessoire. Ich gönne mir eine Denkpause, in der mir eine günstige Route zum Bäcker einfallen soll. Auf mein samtiges Croissant will ich nicht verzichten. Mein täglicher Blätterteig-Schuss lässt mich leben.

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14.04.2020

Wildes Gezwitscher – Promis und ihre stumpfen Federn

Dass meine Zwangsheirat mit Eckbank und Ohrensessel derartige Blüten treiben würde, hätte ich noch im März nicht für möglich gehalten. Die Ödnis ist schuld. Mir sind schlicht die Ideen ausgegangen. Ich habe meine Finger beim Origami wundgefaltet, meinen Schwiegersohn durch gezielte Papierflieger-Abschüsse zum Weinen gebracht und die Antwort auf die Kreuzworträtsel-Klassikerfrage „Tanzfigur der Quadrille“ kenne ich mittlerweile auch: Ete. Und dann ist es passiert: Ich habe mich bei Twitter angemeldet. „Twittern“ heißt übersetzt „zwitschern“ – dementsprechend durfte ich erfahren, dass sich Prominente scheinbar einen zwitschern, bevor sie ihre Weisheiten zusammenbasteln.

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24.03.2020

Die Wahrheit in der Illusion – Über die Frage, wer man sein will

Corona, Corona, Corona. Seit sich dieser verdammte Virus ausgebreitet hat, ist alles anders. Mein Versicherungsbüro habe ich vergangenen Mittwoch das letzte Mal von innen gesehen. Ich weiß gar nicht mehr, ob dort ein Tierbaby-Kalender hängt oder Pirelli-Motive die Abreißblätter zieren. Vielleicht nutzen meine technischen Geräte die unbeobachtete Zeit, sich zu vermehren. Dann könnte ich die frischen Tablets, Scanner und Drucker gewinnbringend verkaufen – und so meine Verluste abfedern. Ich schaue doppelt so viel fern wie üblich. Der Wohnzimmersessel hat zwei ergonomische Sitzmulden herausgebildet, in die meine Pobacken nahtlos einrasten. So auch in diesem Moment. Zwei Bachelor-Kandidatinnen schildern gerade, warum es in ungewissen Zeiten noch wichtiger sei, an die wahre Liebe zu glauben, dabei stoßen sie in einem Jacuzzi mit einem Prosecco an. 

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20.02.2020

Amouröse Grüße aus Russland – sechzehn Liebesbriefe im Morgengrauen

Schlotternd wie ein koffeinkranker Stepptänzer warte ich vor der Ampel. Endlich grün. Bis auf das Köpfchen komplett eingepackt, husche ich auf die andere Straßenseite – und schließe das Büro auf. Das Surren des hochfahrenden Computers beruhigt mich. Um das Wohlbefinden weiter zu steigern, brühe ich mir einen Holundertee auf. Eigentlich könnte ich jetzt glücklich sein. Doch als ich mein E-Mail-Postfach öffne, kippt mir die Kinnlade herunter, ein wenig Tee tröpfelt aus meinem Mund, direkt auf die Virgin Islands auf meiner Weltkartenunterlage: zweiundvierzig neue E-Mails. Sind das Versicherungsschäden? Haben die örtlichen Frettchen in der Nacht ein Kabelsalatfest gefeiert? Die Antwort reicht ins ferne Russland. Dort ist man auf mich aufmerksam geworden. Folgende Nachricht erreichte mich unter dem Betreff „let´s be friends, dear“ gleich sechzehn Mal:

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27.01.2020

Tropenfieber im Januar – Auf der Jagd nach dem kulinarischen Schatz

Rechnung über Rechnung. Formular über Formular. „Diese Zettelwirtschaft treibt mich noch in den Wahnsinn“, schiebe ich bedient den letzten Ordner in den Schrank meines Dachbodenbüros. Zum Glück macht mein Steuerberater Roland Wilm den Rest; und zwar mit Leidenschaft. Bewundernswert. Mein Hirn fühlt sich an wie Mürbeteig; auch wenn sich aus ihm keine Sachertorte formen lässt. „Endlich kann ich Fußball schauen“, klettern meine Gedanken in die Feierabend-Hängematte. Der Körper möchte folgen; ich schleppe ihn über die Wendeltreppe. Doch auf halber Strecke weht mir eine sonderbare Klang-Ausdünstung entgegen: eine Mischung aus wirrem Gewusel und ohnmächtigem Japsen; Vorbotin eines Fernsehvergnügens, das mit meinem Wunschprogramm nichts zu tun hat – abgesehen vom animalischen Gesichtsausdruck mancher Torhüter.

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18.12.2019

Steter Tropfen höhlt den Esel – Weihnachten trifft Hollywood

Wieder siegte mein gutes Herz. Nachdem ich ihm im Sommer schon einmal ausgeholfen hatte, wollte ich meinen lieben Schwiegersohn auch diesmal nicht im Stich lassen. Damals schossen wir uns, verbunden durch spezielle Elektroden, bei einem Experiment an der Medizinischen Hochschule gegenseitig Gedanken ins Hirn. Was tatsächlich klappte. Doch eine meiner – zugegeben gehässigen – Botschaften blies ihn so kräftig um, dass er sie nicht mehr aussprechen wollte. Seit dem Vorfall überblättert er jedes Mal hektisch die „Proband-gesucht“-Rubrik in der Tageszeitung. Trotzdem erklärte ich mich bereit, in seiner notorisch unterbesetzten Laienspielgruppe auszuhelfen; und bei einer Weihnachtsaufführung in einer Seniorenresidenz einen der Heiligen Drei Könige zu mimen. Dafür gab es nämlich 150 Euro pro Kopf. Für David ein kleines Vermögen.

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Steuerkanzlei Wilm
Dipl.-Kfm. Roland Wilm
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