Kontakt
Steuerkanzlei Wilm
Dipl.-Kfm. Roland Wilm
Steuerberater
Veitsberg 2
97618 Hohenroth

Tel: 09771 / 63 07 99-3
Fax: 09771 / 63 07 99-4

Mo / Mi / Fr
09:00 - 12:00 Uhr

Di / Do
14:00 - 17:00 Uhr
oder nach Vereinbarung
Newsletter






Sonderabschreibungen und Investitionsabzugsbetrag bei Photovoltaikanlagen

Beseitigung einer tückischen Steuerfalle in den ersten zwei Jahren

Bei Anschaffung einer Photovoltaikanlage können Sie von zwei Steuervergünstigungen profitieren: Von der Sonderabschreibung und vom Investitionsabzugsbetrag. Voraussetzung für beide Vergünstigungen ist, dass die Anlage "im Jahr der Anschaffung und im darauf folgenden Jahr ausschließlich oder fast ausschließlich - d.h. zu mindestens 90 % - betrieblich genutzt wird" (§ 7g EStG).

Nun besteht bei Neuanlagen seit 2009 die Möglichkeit, den selbst erzeugten Strom teilweise auch selbst zu verbrauchen. Für diesen Fall hat die Finanzverwaltung bisher eine tückische Steuerfalle aufgebaut, die meistens übersehen wird:

Wollen Sie die beiden Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen, dürfen Sie in den ersten zwei Jahren kaum Strom selbst verbrauchen, sondern müssen ihn weitgehend komplett in das Stromnetz einspeisen. Denn die OFD Niedersachsen meint: "Falls der selbst erzeugte Strom unmittelbar nach Erzeugung zu privaten Zwecken verbraucht und nur der nicht selbst verbrauchte Strom in das Netz eingespeist wird, sind Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung regelmäßig nicht zu gewähren, weil eine private Nutzung von mehr als 10 % vorliegt" (OFD Niedersachsen vom 17.9.2010, DStR 2010 S. 2305).

Aktuell ist in den neuen Einkommensteuerrichtlinien 2012 eine Entspannung in Sicht:

Künftig ist der Direktverbrauch für die Inanspruchnahme der Sonderabschreibung und des Investitionsabzugsbetrages nicht mehr schädlich.
Neu geregelt wird, dass "der private Verbrauch des Stroms keine private Verwendung der Anlage ist, sondern eine Sachentnahme". Dies ist eine völlig neue Interpretation und wegen dieser Klarheit sehr zu begrüßen (R 4.3 Abs. 4 Satz 2 EStR 2012).

Mittlerweile hat auch die OFD Niedersachsen ihre ursprüngliche restriktive Rechtsauffassung aufgegeben. Die OFD Niedersachsen hat klargestellt, dass eine Verwendung des durch die Photovoltaikanlage produzierten Stroms zu mehr als 10% für private Zwecke grds. nicht gegen die Inanspruchnahme eines Investitionsabzugsbetrages nach § 7g EStG spricht (OFD Niedersachsen, Verfügung v. 26.3.2012 - S 2183b - 42 - St 226). Auf die spätere Sachentnahme des produzierten Wirtschaftsguts "Strom" kommt es bei der Beurteilung der betrieblichen Nutzung des produzierten Wirtschaftsguts "Photovoltaikanlage" nicht an. An der bisher vertretenen gegenteiligen Rechtsauffassung wird nicht mehr festgehalten.


Hinweis:

Wir haben die ursprüngliche Anweisung der OFD Niedersachsen aus dem Jahr 2010 schon immer für zweifelhaft gehalten: Zum einen wird der selbst verbrauchte Strom ebenfalls vom Netzbetreiber vergütet und führt damit zu steuerpflichtigen Einnahmen aus Gewerbebetrieb. Also liegt doch eine betriebliche Nutzung vor.

Zum anderen wird umsatzsteuerlich unterstellt, dass der gesamte Solarstrom aus der Fotovoltaikanlage an den Netzbetreiber geliefert wird und der selbst verbrauchte Strom eine Rücklieferung des Netzbetreibers darstellt. Also ändert der Direktverbrauch nicht die Unternehmereigenschaft und führt nicht zur Kürzung des Vorsteuerabzugs.

Und zum Dritten hintertreibt die Finanzverwaltung mit ihrer Haltung die gut gemeinte Intention des Gesetzgebers, der die Anlagenbetreiber zum größtmöglichen Selbstverbrauch motivieren will.

Quelle: www.steuerrat24.de (06.06.2012) / OFD Niedersachsen, Verfügung v. 26.3.2012 - S 2183b - 42 - St 226)


Anmerkung der Steuerkanzlei Wilm Newsletter-Redaktion:

Bisher hielt sich das Gerücht relativ hartnäckig, dass bei der Erstellung einer Einnahmen-Überschussrechnung für eine Photovoltaikanlage kaum steuerliches Wissen erforderlich ist, was viele Anlagenbetreiber dazu verleitete, die Aufstellung ihrer steuerlichen Gewinnermittlung ohne steuerliche Beratung selbst in die Hand zu nehmen.

Wir können hier - auch angesichts der ständig neuen Rechtsentwicklungen im Bereich der Umsatzsteuer und Einkommensteuer - nur dringend dazu raten, insbesondere in den Anfangsjahren des Betriebs einer Photovoltaikanlage unbedingt eine steuerliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Wir beraten bereits seit den ersten Anfängen der gewerblichen Photovoltaik-(Klein-)Anlagen, erstmalig seit 2001, und haben seitdem viel steuerliche Erfahrung sammeln können, so dass Sie bei einer Steuerberatung durch die Steuerkanzlei Wilm in jedem Fall davon ausgehen können, auf keinen steuerlichen Vorteil verzichten zu müssen. Selbstverständlich gehört es bei uns zum Standard, die steuerlichen Auswirkungen von steuerlichen Sonderabschreibungen und / oder Investitionsabzugsbeträgen auf Ihr Steuerergebnis ausführlich mit Ihnen zu erörtern, so dass Sie heute bereits wissen, wie sich Ihre Steuerbelastung vom vergangenen Jahr, im laufenden Jahr und in den Folgejahren entwickeln wird.

Nutzen Sie unser Wissen - für Ihre steuerliche Entlastung!